Lehrergewerkschaft – ich ziehe Deinen neuen Vorsitzenden auf!

Der Bub wird Lehrergewerkschafter. Mit seinem Durchhaltevermögen und seiner stoischen Ignoranz gegenüber elterlichen Argumenten scheint er geradezu auserwählt die Nachfolge von Fritz ‚Beton‘ Neugebauer anzutreten.

Wobei, ich will und muss fair bleiben. Obiges gilt einzig und allein für das Thema ‚Wann ist die richtige Zeit für einen 7-jährigen abends ins Bett zu gehen?‘. Ansonsten haben wir eigentlich zu allen möglichen Themen ein erstaunlich gutes Einverständnis. Der Schlüssel liegt vielleicht auch in dem einen oder anderen Zugeständnis, das wir als Eltern gegenüber dem Junior machen.

Wenn die Sonne immer tiefer steht wird begonnen in die umfangreiche Trickkiste der Verzögerungstaktiken zu greifen. Immer noch am besten funktioniert der Überraschungsangriff. Ein schnelles „Ich geh raus!“ und schon ist T. für mindestens eine Stunde verschwunden.  Endlich zurückgekehrt wird zur gespielten Teilnahmslosigkeit als Mittel der Wahl gegriffen. Wichtig dabei ist jede Tätigkeit erst nach mindestens dreimaliger Aufforderung durchzuführen und sich nicht durch beginnenden, offen zur Schau gestellten Ärger der Eltern, aus der Ruhe bringen zu lassen. Damit lässt sich locker eine weitere Stunde an Zeit gewinnen.

In der Zwischenzeit ist dann die Dämmerung weit fortgeschritten, manche würde sogar behaupten es ist bereits dunkel. Doch auch das ist Ansichtssache. Wie auch immer, Zeit für den Klassiker: „Ich hab noch Hunger!“. Dabei ist es völlig unerheblich, ob gerade das fünfte Marmeladebrot verdrückt oder die im Angesicht des väterlichen Schweißes zubereitete 6-Eier-Eierspeis vernichtet wurde. Als Elternteil hat man nun wenigstens die Gewissheit, dass der Nachwuchs mit seinem Latein am Ende ist und zum äußersten bereit ist. Denn … niemand fühlt sie mehr als Rabenmutter oder -vater, der sein Kind mit vermeintlich leerem Magen zu Bette schickt.

Nach dem Verzehr von Marmeladebrot Nummer sechs und sieben geht es dann endlich ins Badezimmer zum Waschen und Zähneputzen. Speziell das Zähneputzen bietet noch einmal die Gelegenheit für kleinere Geplänkel bevor man sich ins Unvermeidliche fügt.

Doch geschafft ist es noch lange nicht …

Jetzt im Hochsommer sind im Zimmer umherschwirrende Gelsen klarerweise ein guter Grund dafür noch einmal aufzustehen und auf die Jagd nach denselbigen zu gehen. In dem Zusammenhang wäre ich interessiert daran, nach wie vielen Gelsen ich in den letzen Wochen Ausschau gehalten habe, die einzig und alleine der Bub gesehen oder gehört hat.

Wenn dann Stille im Haus und alle Minderjährigen entschlummert sind, dann tritt etwas ein, dass man als Eltern kleiner Kinder nur selten geniesen kann. Stille. Und zwar jeden Abend, egal wie lange es dauern mag. Auch irgendwie ein Hoffnungsschimmer für ein neues Lehrerdienstrecht.

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