Papa, Büdla schaun! („Sehr geehrter Herr Erziehungsberechtigter, es gelüstet mich nach einem YouTube-Video!“)

Früher war alles besser. Ist man versucht zu sagen. War es aber nicht. Es war nur anders.

Das merkt man schon daran, dass es sich erübrigt hat in den Kategorien zu denken, die in meiner Kindheit angesagt waren. Fernsehen, bereits in meiner Kindheit der sichere Untergang für sämtliche Kinos dieser Welt, zum Beispiel. Es ist einem 6-jährigen schlicht nicht vermittelbar wie es war vor 20 … ähhh, in Ordnung … eher 30  Jahren. Mit einem Kasten von den Ausmaßen einer Waschmaschine. Mit zwei(!) Sendern. Mit Sendungen wie „Auch Spaß muss sein“. T. muss sich bei diesen Anekdoten ungefähr so fühlen, wie ich bei den Geschichten aus der Nachkriegszeit, dargeboten von den Großvätern dieser Welt.

Wir haben keinen Fernseher. Wir haben unseren letzten kurz vor T.s Geburtstag in die ewigen Jagdgründe geschickt und seitdem nie genug Motivation, Lust oder auch Geld aufbringen können einen neuen zu kaufen. Und es geht uns unglaublich toll damit. Nicht weil wir den Fernseher als Teufelswerk verdammen und somit aus ideologischen Gründen darauf verzichten. Alles was uns früher das Fernsehen gegeben hat, kommt heute einfach auf anderem Weg zu uns.

T. ist in diesem veränderten Umfeld aufgewachsen. Er kennt es nicht anders. Was zu lustigen Situationen führt. Groß war auf jeden Fall das Erstaunen und der Unmut, dass ein klassischer Fernseher (Oma und Opa haben so etwas noch ….) nicht die gleichen Features bietet wie YouTube („Wo ist da die Pause-Taste?“ „Die Folge gefällt mir nicht, bitte eine andere einschalten!“). Auch das die Videos erst durch ein dubioses Netz („Internet? Häh?“) auf den Rechner, das Smartphone oder das Tablet kommen war lange nicht vermittelbar. Und so wurde bei einem Netzausfall eine weltweite Verschwörung gegen den kleinen T. vermutet.

„Papa, Büdla schauen!“ www.alexnowak.tv

Sonderbarerweise ist diese Art und Weise Bewegtbilder zu konsumieren für mich als Erziehungsberechtigten ungleich besser kontrollierbar als es das für meine Eltern war. Ein Passwort mit 37 Zeichen (Groß- und Kleinschreibung!), davon mindestens 5 Sonderzeichen ist halt nicht so einfach zu knacken. Ich ändere es trotzdem wöchentlich …..

Trotzdem gerät man manchmal in die Lage zu unlauteren Mitteln bei der Unterbindung von zu viel medialem Konsum greifen zu müssen. Jedoch, die früher oft gebrauchte (Not-)Lüge „Der Akku ist leer!“ hat viel von ihrer Wirksamkeit verloren, seit dem klar ist, dass YouTube auf so ziemlich allem funktioniert, was in unserem Haushalt herumkugelt beziehungsweise die Funktionsweise eines Ladegeräts durchschaut wurde.

 

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